Economics Terms A-Z - Die wichtigsten Fachbegriffe der VWL.

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z

Economics Terms A-Z

Spieltheorie

Die Spieltheorie ist ein wichtiges Forschungsgebiet der Wirtschaftswissenschaften, das sich mit der Interaktion mehrerer strategisch handelnder Entscheidungsträger beschäftigt. Als Spiel wird jede Situation bezeichnet, in der die Auszahlung oder der Nutzen, den ein Individuum durch eine Entscheidung erlangen kann, nicht nur von seiner eigenen Entscheidung, sondern auch von der Entscheidung anderer abhängt.

In der Spieltheorie werden die Entscheidungsträger/ Individuen als Spieler bezeichnet. Jeder Spieler hat ein Set an möglichen Aktionen, die er ausführen kann. In einem Schachspiel zum Beispiel gibt es zwei Spieler (einer spielt Schwarz, der andere Weiß), jeder Spieler hat mehrere mögliche Aktionen oder Züge zur Auswahl. Beim Schach hat der weiße Spieler verschiedene Möglichkeiten das Spiel zu eröffnen, er kann einen beliebigen Bauern oder eines seiner beiden Pferde bewegen. Der Hauptunterschied zwischen einem Spiel und einem einfachen Entscheidungsproblem, bei dem ein Individuum zwischen mehreren Alternativen wählt, besteht darin, dass in einem Spiel die Auszahlung, die ein Spieler aufgrund einer Entscheidung erhält, auch von der Reaktion seines Gegners abhängt. Ein Schachspieler, der eine Figur bewegt, versucht vorherzusagen, wie sein Gegner reagieren wird und wie das wiederum das Spiel und seine Gewinnchancen beeinflussen wird.

Natürlich ist das Untersuchen von Schachspielen nicht der einzige Einsatzbereich der Spieltheorie, sie wird vielmehr verwendet, um jede Art von strategischer Interaktion zu analysieren. In den Wirtschaftswissenschaften wird die Spieltheorie dazu verwendet, zu untersuchen, wie Firmen auf einem bestimmten Markt interagieren. Als Beispiel betrachten wir den Markt für Luftfahrt, auf dem es zwei Hauptkonkurrenten gibt - Boeing und Airbus. Wenn Airbus Entscheidungen über Flugticketpreise, Buchungskonditionen oder Entwürfe neuer Flugzeugtypen trifft, wird versucht, die Reaktionen der Kunden auf diese Entscheidungen vorherzusagen. Die Kundenreaktionen hängen wiederum von der Reaktion Boeings auf die Entscheidungen von Airbus ab. Der Markt für Passagierflugzeuge ist nicht der einzige Markt, auf dem wenige Unternehmen miteinander konkurrieren. In Märkten mit oligopolistischer Marktstruktur berücksichtigen gewinnmaximierende Firmen die Strategien anderer Firmen, etwa bei Entscheidungen über Produktpreise, neue Marketingkampagnen oder Budgets für Forschung und Entwicklung. Die Konzepte der Spieltheorie werden neben der Untersuchung von im Wettbewerb stehenden Firmen auch zur Verhaltensanalyse von Konsumenten verwendet. Welchen Einfluss haben etwa Empfehlungen von Konsumenten auf die Konsumentscheidungen anderer. Andere Fragen, die mit Hilfe der Spieltheorie analysiert werden, lauten: Wie können Mitarbeiter dazu ermutigt werden, sich anzustrengen? Ist es möglich, die Mitgliedern eines Teams zur Kooperation anzuregen? Wie sollten Politiker ihre Kampagnen gestalten, wenn sie möglichst viele Wählerstimmen erlangen wollen? An diesen Beispielen ist zu erkennen, wie vielfältig die ökonomischen Anwendungen der Spieltheorie sind. Deshalb ist sie ein sehr wichtiges Forschungsgebiet der Wirtschaftswissenschaften.

In der Spieltheorie wird angenommen, dass die Akteure rational handeln, dass also ihre Handlungen darauf ausgelegt sind, den eigenen Nutzen zu maximieren. (Es gibt auch Konzepte, wie das der Verhaltensökonomie, die dieser Annahme widersprechen.) Eine zweite wichtige Annahme ist, dass die Struktur des Spiels und alle (zumindest die meisten) Informationen allgemein bekannt sind. Eine Information ist allgemein bekannt, wenn jeder weiß, dass jeder weiß, dass jeder ad infinitum diese Information kennt. Ein Beispiel: Anne und Bob spielen ein Spiel,  beide sind rational und es ist allgemein bekannt, dass beide rational sind. Dann bedeutet das, dass Anne weiß, dass Bob rational ist und Bob weiß, dass Anne rational ist. Aber das ist noch nicht alles. Anne weiß nicht nur, dass Bob rational ist, sie weiß auch, dass Bob weiß, dass sie (Anne) rational ist, und so weiter. Wenn das gesamte Spiel mit all seinen Merkmalen allgemein bekannt ist, spricht man davon, dass alle Spieler über vollständige Informationen verfügen. Informationen sind dann unvollständig, wenn bestimmte Merkmale des Spiels nicht allgemein bekannt sind. Beispiele hierfür sind folgende: ein Spieler kennt nicht alle möglichen Alternativen, aus denen der andere Spieler wählen könnte; ein Spieler weiß nicht, wer sein Konkurrent ist; ein Spieler kennt den Zusammenhang zwischen seinen Aktionen und seinen Auszahlungen nicht.

Das Spiel ist beendet, wenn das Gleichgewicht erreicht ist, was bedeutet, dass die Auszahlungen feststehen, nachdem alle Spieler ihre Entscheidungen getroffen haben. Das Gleichgewicht eines Spiels entspricht einer Situation, in der kein Spieler seine Strategie ändern möchte, gegeben der Strategie der anderen Spielers. Es möchte also niemand von der aktuellen Situation abweichen. Eines der bekanntesten Gleichgewichtskonzepte ist das Nash-Gleichgewicht, daneben existiert noch eine Vielzahl an anderen Lösungskonzepten, außerdem gibt es diverse Verfeinerungen des Nash-Gleichgewichts wie das Bayes-Nash-Gleichgewicht, das Teilspielperfekte Gleichgewicht oder Trembling-Hand-perfekte Gleichgewicht.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Spiele zu klassifizieren. Das ist möglich nach der Spielstruktur, den Informationen, über die die Spieler verfügen, oder dem Zeithorizont des Spiels. Die Spielstruktur bestimmt, ob Spieler ihre Aktionen gleichzeitig oder nacheinander ausführen, je nachdem wird das Spiel simultan oder sequenziell gespielt. Der Zeithorizont des Spiels kann in einmalige Spiele und wiederholte Spiele unterteilt werden. Bei einmaligen Spielen interagieren Spieler nur einmal, während bei wiederholten Spielen die Spieler in mehreren Zeitperioden, also wiederholt interagieren. Ein wiederholtes Spiel ist in der Realität zum Beispiel auf vielen Märkten zu finden, auf denen sich täglich Firmen treffen und konkurrieren, indem sie ihre Preise oder andere Wettbewerbsinstrumente strategisch wählen.

Zum Weiterlesen

Da die Spieltheorie ein weites Feld mit vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten abbildet, gibt es ausgezeichnete Bücher sowohl über das Thema im allgemeinen, als auch über bestimmte Anwendungen oder spezifische Teilbereiche. Das Buch "Theory of Games and Economic Behavior", geschrieben von dem Mathematiker John von Neuman und dem Ökonomen Oskar Morgenstern, veröffentlicht 1944, liefert einen breit gefächerten Themeneinstieg. Es gehört zu den ersten Büchern, die zum Thema Spieltheorie geschrieben wurden und ist dementsprechend ein Klassiker auf diesem Gebiet.

Gut zu Wissen

Die Spieltheorie findet nicht nur in den Wirtschaftswissenschaften Anwendung, sondern auch in einer Vielzahl von anderen Bereichen. Besonders in den Sozialwissenschaften werden die Konzepte häufig angewandt, aber auch in der Biologie wird die Spieltheorie etwa zur Untersuchung von Populationsdynamiken - Reproduktion, Mutation und Aussterben - verwendet. Dieser Zweig der Spieltheorie wird als evolutionäre Spieltheorie bezeichnet, begründet von John Maynard Smith. Sowohl Psychologen, als auch Neurowissenschaftler verwenden Konzepte der Spieltheorie in ihren Experimenten und Studien. Darüber hinaus werden spieltheoretische Ansätze auch in der Mathematik, den Politikwissenschaften, oder dem Management, sowie in den Bereichen Operations Research, Elektrotechnik und Informatik verwendet.