Economics Terms A-Z - Die wichtigsten Fachbegriffe der VWL.

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z

Economics Terms A-Z

Adverse Selektion

Ein Problem der adversen Selektion tritt bei asymmetrischen Informationen immer dann auf, wenn ein besser informierter Marktteilnehmer Informationen nutzt, um einen anderen Marktteilnehmer, der nicht über diese Informationen verfügt, auszunutzen. Das wiederum wirkt sich nachteilig auf die Teilnahme am Markt aus.

Gängige Beispiele für adverse Selektion sind der Versicherungsmarkt und der Arbeitsmarkt

Auf dem Versicherungsmarkt wissen die Anbieter einer Versicherung weniger über das Risikoniveau ihrer Kunden als die Kunden selbst. Kunden mit höherem Risiko haben ein größeres Interesse am Abschluss einer Versicherung als Kunden mit geringem Risiko. Daher dominieren risikoreichere Kunden den Versicherungsmarkt, was die Kosten für die Anbieter erhöht, da es mehr Auszahlungsansprüche von eben solchen Kunden gibt. Dadurch steigt der Preis der Versicherung (also die Versicherungsprämie), was dann auch weniger risikoreiche Kunden betrifft. Diese würden sich dann möglicherweise dafür entscheiden, sich lieber nicht zu versichern. Eine adverse Selektion führt somit zu einem kleineren und weniger effizienten Markt im Gegensatz zu einem Markt, auf dem die Versicherer alles über ihre Kunden wissen.

Auf dem Arbeitsmarkt wissen Arbeitgeber weniger über Stellenbewerber als die Kandidaten selbst. Auf eine Stellenanzeige, die ein hohes Gehalt und gute Arbeitsbedingungen verspricht, werden sich auch Kandidaten bewerben, die für die Stelle ungeeignet sind. Diese Bewerbungen mischen sich dann unter die Bewerbungen von geeigneten potentiellen Arbeitnehmern. Wenn den Arbeitgebern ein Mechanismus fehlt, um Bewerber auf ihre Eignung hin zu überprüfen, können sie nicht zwischen geeigneten und ungeeigneten Kandidaten unterscheiden. Dadurch reduziert sich der Wert, den Arbeitnehmer für ihre Arbeitgeber haben. Arbeitgeber bieten ihren potentiellen Arbeitnehmern daraufhin nur noch geringere Löhne und weniger Vergünstigungen an. Dadurch werden sich weniger geeignete Kandidaten auf die Stellen bewerben. Auch hier führt eine adverse Selektion zu einem weniger effizienten Markt im Gegensatz zu einem Markt, auf dem die Arbeitgeber über vollständige Informationen über ihre Bewerber verfügen.

Eine adverse Selektion ist potenziell sehr schädlich, da sie dazu führen kann, dass einige Menschen Arbeitsplätze erhalten, durch welche sie anderen ernsthaften Schaden zufügen. Ein besonders finsteres Beispiel dafür ist, dass Kinderschänder sich auf Arbeitsplätze bewerben, die ihnen Zugang zu Kindern ermöglichen, wie zum Beispiel in Schulen und in Betreuungseinrichtungen, die Aktivitäten für Kinder anbieten. Nicht nur die betroffenen Kinder leiden dann darunter, sondern auch das Vertrauen in den Markt wird untergraben und die "richtigen" Menschen hören auf, am Markt teilzuhaben. Aus diesem Grund ist der Lehrerberuf stark reglementiert und es gibt Gesetze, die eine gründliche Prüfung von Bewerbern für solche Arbeitsbereiche voraussetzen.

Weiterführende Literatur

George Akerlof ist einer von drei Wirtschaftswissenschaftlern, die 2001 den Wirtschaftsnobelpreis für die Analyse von Märkten mit asymmetrischer Information erhalten haben.  In "The Market for Lemons: Quality Uncertainty and the Market Mechanism" (Quarterly Journal of Economics, 1970) analysiert er die adverse Selektion auf dem Gebrauchtwagenmarkt, auf dem die Verkäufer von Gebrauchtwagen bessere Informationen über die wahre Qualität der Autos haben als die Käufer. Akerlof zeigt auf, wie Verkäufer von Autos minderer Qualität ("Zitronen") den Markt überschwemmen, die Preise senken und so verhindern, dass Besitzer von Autos hoher Qualität ("Pfirsiche") einen fairen Preis für ihre Autos erhalten.

Gut zu wissen

Das Problem der adversen Selektion kann gemindert werden, indem geeignete Mechanismen ergriffen werden, die unerwünschte Akteure vom Markteintritt abhalten und/oder günstige Akteure zum Markteintritt ermutigen. Im Falle von Versicherungen praktizieren die Anbieter Preisdiskriminierung, indem sie Kunden, die ein geringes Risiko nachweisen können, niedrigere Prämien anbieten. Versicherungen können auch Selbstbeteiligungsgebühren festsetzen, sodass im Schadensfall das Risiko mit dem Kunden geteilt wird. Im Falle des Arbeitsmarktes können Arbeitgeber neuen Arbeitnehmern zunächst eine Probezeit zu schlechteren Bedingungen (niedrigeres Gehalt und weniger Arbeitgeberleistungen) anbieten, sodass sich nur geeignete Kandidaten, die sicher sind, dass sie die Probezeit bestehen werden, überhaupt für die Stelle bewerben.