Economics Terms A-Z - Die wichtigsten Fachbegriffe der VWL.

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Economics Terms A-Z

Einkommenselastizität der Nachfrage

Die Einkommenselastizität der Nachfrage YEDA ist ein Maß dafür, wie die auf einem Markt nachgefragte Menge qA eines Artikels A durch eine Änderung des Einkommens Y auf der Nachfrageseite des Marktes beeinflusst wird:Income Elasticity of DemandAuf jedem Markt für Waren oder Dienstleistungen hängt der Umfang der Nachfrage in hohem Maße von der Bezahlbarkeit für die Käufer ab. Die Bezahlbarkeit eines Artikels wird sowohl durch den Preis, zu dem er angeboten wird, als auch durch das verfügbare Budget der Käufer bestimmt. Während die Preiselastizität der Nachfrage die Empfindlichkeit der Käufer auf Preisänderungen des Artikels misst, berücksichtigt die Einkommenselastizität der Nachfrage das Verhältnis zwischen Budget und nachgefragter Menge.

Das Konzept der Einkommenselastizität wird verwendet, um Güter und Dienstleistungen in zwei Haupttypen zu unterteilen: normal und inferior.  Ein normales Gut oder eine normale Dienstleistung ist dadurch charakterisiert, dass deren Nachfrage sich in die gleiche Richtung bewegt wie das Einkommen. Das bedeutet, wenn das Einkommen des Käufers steigt (fällt), dann wird der Käufer mehr (weniger) von dem Produkt nachfragen. n diesem Fall, YEDA > 0. Ein inferiores Gut oder eine inferiore Dienstleistung impliziert hingegen, dass die Nachfrage sich in die entgegengesetzte Richtung des Einkommens bewegt, YEDA < 0.

Beispiele für normale Güter sind Konsumgüter und Dienstleistungen wie Kleidung, elektronische Waren, allgemeine Transportdienstleistungen sowie Theater- und Konzertkarten. Die Verbraucher fragen im Allgemeinen mehr nach, wenn es ihnen besser geht. Normale Waren und Dienstleistungen lassen sich weiter in die Kategorien der lebensnotwendigen Güter und Luxusgüter unterteilen. Lebensnotwendige Güter sind Güter, deren Einkommenselastizität der Nachfrage unelastisch ist, 0 < YEDA < 1. Das bedeutet die Nachfrage reagiert zwar positiv, aber sie steigt oder fällt nicht so stark wie das Einkommen selbst. Wie der Name schon sagt, reagiert die Nachfrage nach einem lebensnotwendigen Gut weniger empfindlich auf eine Einkommensänderung: Der Käufer braucht das Gut! Im Gegensatz dazu ist ein Luxusartikel ein Gegenstand, dessen Nachfrage steigt, sobald er bezahlbar wird; seine Einkommenselastizität der Nachfrage wird als elastisch bezeichnet, YEDA > 1.

Zu den inferioren Gütern und Dienstleistungen gehören Grundnahrungsmittel wie Brot und gemeinsam genutzte Verkehrsmittel wie öffentliche Busse. Wenn das Einkommen steigt, sinkt die Nachfrage nach einem inferioren Gut oder einer inferioren Dienstleistung, da der Konsum typischerweise durch eine Alternative mit einer höheren Einkommenselastizität der Nachfrage ersetzt wird. Beispielsweise können nach einer Einkommenserhöhung Verbraucher ihr Einkommen, das sie vorher für Brot verwendet haben, jetzt verwenden, um mehr Fleisch zu konsumieren. Sie können sich durch das höhere Einkommen auch ein Privatfahrzeug oder ein anderes bequemeres Verkehrsmittel leisten anstatt weiter mit öffentlichen Bussen zu fahren.

income elasticity of demand

Die Einkommenselastizität der Nachfrage wird häufig grafisch mit der Engel-Kurve (benannt nach dem deutschen Statistiker Ernst Engel) beschrieben. Dabei handelt es sich um ein Diagramm, in dem auf den Achsen die nachgefragte Menge und das Einkommen abgetragen werden (nicht zu verwechseln mit einer Nachfragekurve, die das Verhältnis zwischen Preisen und nachgefragter Menge zeigt!). In der Grafik stellt die 45°-gestrichelte Linie durch den Ursprung die proportionalen Reaktionen der Käufer auf Einkommensänderungen dar, also die einheitselastische Nachfrage, YEDA = 1. Wenn entlang dieser Linie das Einkommen der Käufer um 10% steigt, dann steigt auch ihre Nachfrage nach dem Artikel um 10%. Die Extremfälle normaler Güter, lebensnotwendige Güter und Luxusgüter, sind im Verhältnis zu der gestrichelten Linie leicht zu erkennen; inferiore Güter sind an dem negativen Verhältnis zwischen Einkommen und nachgefragter Menge erkennbar.

Weiterführende Literatur

Aitchison und Brown liefern in ihrem Artikel "A Synthesis of Engel Curve Theory" (The Review of Economic Studies, 1954) weitere Formen der Engel-Kurven und weisen darauf hin, dass das, was für eine Einkommensgruppe in der Wirtschaft ein lebensnotwendiges Gut darstellt, für eine andere Einkommensgruppen einen Luxus darstellen kann.  Daher lautet ihre These, dass Engel-Kurven eher Kurven und weniger gerade Linien sein sollten!

Gut zu Wissen

Ökonomen werden oft dafür kritisiert, dass sie davon ausgehen, dass mehr immer besser ist. Das ist vielleicht eine unfaire Behauptung. Ökonomen neigen dazu, sich auf die Maximierung des individuellen Nutzens (sprich: des Glücks!) zu konzentrieren, der nicht immer mit Einkommen und Konsum steigen muss. Irgendwann ist der Konsum gesättigt. Das zeigt sich in den großen Geschenken und Spenden, die Reiche oft in Form von Wohltätigkeitsorganisationen an andere weitergeben. Die Einkommenselastizität der Nachfrage ist auch in der Entwicklungsökonomie sehr relevant; die Einkommenselastizität ist auf niedrigeren wirtschaftlichen Entwicklungsstufen tendenziell höher.